Auswahl von Werkstoffen für spritzgussformen dreht sich alles darum, den idealen Kompromiss zwischen Härte und Zähigkeit zu finden – eine Herausforderung, mit der Ingenieure ständig zu kämpfen haben. Bei der Härte, gemessen nach der Rockwell-C-Skala (HRC), zeigen Daten von ASM International aus dem Jahr 2023, dass höhere Härtegrade den abrasiven Verschleiß durch glasgefüllte Kunststoffe um rund 40 % reduzieren können. Überschreitet man jedoch den Wert von 55 HRC, beginnen die dünnwandigen Bereiche der Form unter mechanischer Belastung zu brechen. Umgekehrt neigen zähere Werkstoffe zwar nicht zum Zerbrechen während intensiver Druckzyklen, weisen aber bei rauen Kunststoffen wie Nylon einen schnelleren Verschleiß auf. Hier überzeugen Werkzeugstähle wie H13 besonders: Sie erreichen genau diese „Goldilocks-Zone“ mit einer Härte von etwa 48 bis 52 HRC – was bedeutet, dass sie in der Automobilfertigung Hunderttausende von Zyklen lang ohne Ausfall halten. Die Automobilindustrie setzt stark auf dieses Gleichgewicht, denn niemand möchte, dass die Fertigungsstraße wegen eines Formversagens zum Stillstand kommt.
Schnelle Temperaturschwankungen zwischen 80 °C und 260 °C erzeugen thermische Spannungen von über 700 MPa an den Formoberflächen (Society of Plastics Engineers 2024), wodurch sich Mikrorisse in drei Phasen ausbreiten:
Bei hochvolumigen Spritzgussverfahren sind Werkzeugstähle die bevorzugte Wahl, da sie einer Abnutzung über die Zeit hinweg widerstehen. Nehmen Sie beispielsweise den Stahl H13: Er bewältigt rund eine halbe Million bis eine Million Produktionszyklen bei der Verarbeitung anspruchsvoller Materialien wie glasgefülltem Nylon. Bei ständiger Wärmebelastung ändert sich die Situation jedoch – die Leistungsfähigkeit von H13 nimmt nach etwa 250.000 Zyklen deutlich ab. Für weniger anspruchsvolle Anwendungen bietet der Stahl P20 ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und hält bei weicheren Kunststoffen wie Polypropylen zwischen 250.000 und 500.000 Zyklen. Wenn besonders hohe Schlagzähigkeit gefordert ist, zeichnet sich der Stahl S7 aus: Er bleibt auch bei der Verarbeitung harter technischer Harze noch deutlich über 300.000 Zyklen stabil. Der Unterschied in der Wärmeleitfähigkeit dieser Stähle macht zudem einen spürbaren Unterschied im praktischen Einsatz. H13 mit 24,6 Watt pro Meter Kelvin kühlt langsamer ab als P20, dessen bessere thermische Eigenschaften bei 29,5 W/mK liegen. Dies beeinflusst, wie schnell Formen in stark frequentierten Fertigungsumgebungen wiederverwendet werden können, wo jede Sekunde zählt.
Bei der Herstellung von Prototypen oder bei der Produktion mit weniger als 100.000 Zyklen verkürzen Aluminiumformen die Wartezeit um rund 60 % und senken die Kosten im Vergleich zu Stahlformen um etwa 45 %. Das Problem ergibt sich aus der relativ weichen Beschaffenheit von Aluminium mit einer Vickers-Härte von 60 bis 100 HV. Dies bedeutet, dass Aluminiumformen typischerweise nur 50.000 bis 100.000 Zyklen halten, wenn sie mit gängigen Kunststoffen wie Polyethylen eingesetzt werden. Berylliumkupfer füllt die Lücke zwischen diesen Extremen. Es leitet Wärme mit etwa 105 Watt pro Meter Kelvin – dreimal so gut wie herkömmlicher Werkzeugstahl –, wodurch sich Spritzgussprozesse für Teile wie Gehäuse elektronischer Geräte aus ABS oder Polycarbonat tatsächlich um 10 bis 15 % beschleunigen lassen. Für Hersteller medizinischer Geräte, die mittlere Losgrößen produzieren, kann Berylliumkupfer über 150.000 Zyklen bewältigen, bevor ein Austausch erforderlich wird. Achten Sie jedoch auf chlorhaltige Harze, da diese im Laufe der Zeit Spannungsrissbildung im Material verursachen können.
Bei der Verarbeitung halogenierter Harze stellen wir fest, dass diese während der Verarbeitung korrosive Substanzen freisetzen. Aus PVC-Materialien tritt Chlor aus, während aus flammhemmenden Polycarbonaten (FR-PC) Brom freigesetzt wird. Diese Chemikalien beschleunigen den elektrochemischen Abbauvorgang bei herkömmlichen Werkzeugstählen, die in der gesamten Industrie eingesetzt werden. Was passiert als Nächstes? Es treten Lochkorrosion und Oberflächenabtragung auf, die nach etwa 50.000 Produktionszyklen schließlich die Maßgenauigkeit beeinträchtigen. Um diesem Problem entgegenzuwirken, greifen viele Betriebe auf rostfreie Stähle wie 420SS zurück, da die Chromoxid-Schutzschicht hier eine entscheidende Rolle spielt. Ein weiterer Ansatz besteht darin, Beschichtungen wie Titannitrid oder Nickel-PTFE aufzubringen, wodurch die Oberflächenreaktivität um rund 85 % reduziert wird. Auch eine geeignete Entlüftungskonstruktion ist wichtig, da sie verhindert, dass korrosive Gase in den Formen eingeschlossen werden. Die Situation verschärft sich noch weiter bei glasfaserverstärkten Compounds, bei denen Abrasion und Korrosion gemeinsam destruktiv wirken. Branchenführer haben jedoch beeindruckende Ergebnisse erzielt: Einige berichten von einer Verdopplung bis Verdreifachung der Werkzeuglebensdauer beim Einsatz beschichteter H13-Stähle für großvolumige FR-PC-Produktionschargen mit über 200.000 Spritzgusszyklen.
Länger haltbare Spritzgussformen zu erhalten, bedeutet, schwierige Entscheidungen zu treffen – und zwar im Hinblick darauf, was in der Fertigung tatsächlich machbar ist. Nehmen wir beispielsweise den Werkstoff H13-Stahl: Er zeichnet sich durch hervorragenden Verschleißwiderstand bei Serienfertigung aus; doch ehrlich gesagt möchte niemand über 100.000 USD für eine komplexe Form ausgeben, wenn nur einige hundert Teile hergestellt werden sollen. Und diese langen Lieferzeiten? Acht bis zwölf Wochen sind eine Ewigkeit, wenn es darum geht, Prototypen rasch fertigzustellen. Auch die Geometrie des Bauteils spielt eine entscheidende Rolle: Bei komplexen Merkmalen wie Hinterschneidungen oder feinen Details benötigen wir spezielle, korrosionsbeständige Stähle – diese kosten zwischen 30 % und 50 % mehr als Standardstahlsorten. Konstrukteure müssen zudem auf zu enge Toleranzvorgaben achten: Bauteile mit Fertigungstoleranzen unter ±0,05 mm beschleunigen den Verschleiß der Formen ohne messbaren Nutzen. Studien zeigen, dass solche strengen Toleranzen die Werkzeugkosten um bis zu 25 % erhöhen können, ohne die eigentliche Leistungsfähigkeit des Bauteils zu verbessern. Fazit? Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei langlebigen Formen beginnt damit, dass Konstrukteure und Fertiger frühzeitig miteinander sprechen. Sie müssen Werkstoffe gezielt an die vorgesehene Stückzahl, den verwendeten Kunststoff und die konkrete Funktion des Bauteils anpassen. So entstehen Formen, die dem täglichen Einsatz standhalten – ohne das Budget zu sprengen oder Zeitpläne unverhältnismäßig zu dehnen.
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